Abschlussbericht

Mittlerweile sitze ich wieder in meinem alten Zimmer in Deutschland und habe mich hier auch schon wieder etwas eingelebt. Daher gibt es jetzt auch den letzten meiner vier Berichte.


Über den dritten Term an sich gibt es nicht viel Spannendes zu berichten. Der Unterricht verlief gut und ich konnte gut mit den neuen Klassen arbeiten. Es war spannend zu sehen wie sich die Klassenstufen voneinander unterscheiden. Denn auch wenn die Schüler der fünften und sechsten Klasse Alterstechnisch nicht viel trennt, hatten viele Sechstklässler eine andere Einstellung zur Schule als die fünfte Klasse. Für mich war es besonders interessant mal in andere Unterrichtsfelder wie Life Skills zu schauen und ich hatte dabei immer ein wenig die Hoffnung den Kindern etwas nützliches auf ihren Lebensweg mitzugeben.

Am Ende des Terms, also in der Closing-Woche haben wir mit den Klassen 4-7 ein kleines Sporttunier veranstaltet. Gespielt wurde Netball mit den Mädchen und Fussball mit den Jungs  und aus jeder Stufe wurde eine Mannschaft gestellt. Da ich immer bei Netball dabei war, weiß ich den Gewinner vom Fußball leider nicht, aber bei Netball hat die sechste Klasse alle abgezogen. Selbst gegen unser „Lehrerteam“ haben sie gewonnen, als ich am letzten Tuniertag ein Spiel zusammen mit einer Kollegin und Schülerinnen aus der siebten gegen sie gespielt habe.

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Unser Lehrer-Schüler Spiel

Netball kann man sich ein wenig wie Basketball vorstellen. Der Unterschied ist, dass eine Mannschaft anstatt aus fünf Spielern aus sieben besteht und man nicht dribbeln darf, sondern sobald man den Ball fängt muss man stehen bleiben. Da ich selber auch (Rollstuhl)Basketball spiele, hat es mir sehr viel Spaß gemacht  und ich habe mich gefreut wieder so etwas in die Richtung zu spielen.

Am letzten Schultag wurden vormittags wieder die Noten verteilt und die Kinder in die Ferien verabschiedet. Zwischen den Verkündungen der Noten haben die Kinder Lieder und Tänze vorgetragen und eine meiner fünften Klassen hat sich von mir mit einem Lied verabschiedet. Das war sehr schön und hat mich ein wenig zu Tränen gerührt. Neben mir haben auch die anderen beiden Lehrerinnen die Schule verlassen, um an einer anderen Schule in Dedza zu unterrichten. Nachmittags wurde dann noch eine kleine Farewellfeier für uns drei gehalten, wo wir nochmal von allen Lehrern und dem Schulpersonal verabschiedet wurden.

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Farewell-Feier

Danach bin ich mit den Freiwilligen aus den anderen Projekten in Urlaub nach Cape Maclear gefahren. Dort wollten wir nochmal so richtig entspannen bevor es ans packen und dann zurück nach Deutschland ging. Viel gemacht haben wir nicht, aber mein Highlight war definitiv das Tauchen im Malawisee. Ich habe zwar schonmal mit Flasche getaucht, aber im offenen Wasser zu tauchen ist etwas ganz anderes als in einem Schwimmbecken wie beim ersten Mal.

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Cape Maclear

Zurück in Madisi hieß es dann Koffer packen und Haus putzen. Es war echt ein komisches Gefühl alles, was ich in Madisi besessen habe in nur zwei Koffer zu packen. Das Haus kam einem auf einmal ganz anders vor. Aber trotz all dem Packen hatte ich nicht wirklich das Gefühl komplett zu gehen, es war mehr so als würde ich wieder in Urlaub fahren.

Am Sonntag bevor wir geflogen sind haben wir dann noch mit den Schwestern ein kleines Farewell gemacht. Es gab Pizza und wir haben ein bisschen darüber geredet, was das Jahr über so passiert ist. Es war sehr schön zu hören wie das Jahr aus ihrer Sicht verlaufen ist. Es wurden Geschenke und Geschichten ausgetauscht und es wurde ein sehr schöner Abend.

Der Tag des Abflugs verlief dann doch hektischer als gedacht und so war auch der Abschied von Madisi relativ schnell und schmerzlos. Am Flughafen trafen wir uns mit den anderen Freiwilligen und auf ging es in die Heimat.

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Goodbye Malawi

Wieder in Deutschland zu sein fühlt sich irgendwie an, als wäre ich da wieder hin zurück gekehrt wo ich vor einem Jahr weggegangen bin. Auch wenn sich vieles Verändert hat. Ich habe mich schnell wieder zu Hause eingefunden und es sind eher kleinere Sachen über die ich mich wundere. Beispielsweise habe ich Tage gebraucht, bis ich mich dran gewöhnt hatte, dass die Klinken und Lichtschalter hier viel tiefer sind als in Malawi oder mir wieder eingefallen ist, in welchen Mülleimer welcher Müll kommt. Aber nach ein paar Tagen hatte ich das auch wieder raus.

Was mir auch aufgefallen ist, ist der Unterschied im „Erwachsen sein“. In Malawi waren wir selbstständig. Dort haben wir alleine, ohne Eltern, gelebt und mussten für uns selbst sorgen (mehr oder weniger). Hier zu Hause muss ich mich um Versicherungen und Krankenkasse kümmern und mein Praktikum organisieren. Ich bin auch selbstständig, habe aber nochmal eine andere Art von Verantwortung.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mit Freude auf das vergangene Jahr zurückschaue und es auf jeden Fall wiederholen würde. Trotzdem bin ich auf froh wieder zu Hause und bei meiner Familie zu sein. Ich freue mich auf alles, was jetzt auf mich zu kommt und vielleicht sehe ich Malawi ja irgendwann wieder.

Eure Hannah

Mein Leben in zwei Koffern

Der Countdown läuft. Noch wenige Tage und ich sitze im Flieger zurück nach Deutschland. Und das heißt Koffer packen und Haus putzen.  Es ist schon verrückt, das alle meine Sachen in nur zwei Koffer passen (mehr oder weniger). Alles zusammenzupacken macht das ganze nur bedingt realer, denn wirklich in meinen Kopf kriege ich es noch nicht, dass ich in wenigen Tagen wieder Zuhause in meinem alten Zimmer sitzen werde.
Und selbst bei so wenigen Sachen habe ich immernoch etwas aussortiert. 

Aber das Koffer packen ist nicht alles wovon ich euch erzählen will. Wäre ja auch etwas langweilig.
Bevor der ganze Pack-Stress angefangen hat, habe ich erst nochmal Urlaub in Cape Maclear mit den anderen Freiwilligen gemacht. Denn nachdem das Schuljahr mit dem Closingday und einer kleinen Farewellfeier für mich und zwei andere Lehrerinnen zuende ging, hatten wir noch etwas mehr als eine Woche Ferien. Am See haben wir uns dann etwas Entspannung gegönnt und versucht noch ein wenig brauner zu werden. Ob ihr glaubt oder nicht, wirklick knacke braun sind wir über das Jahr hier nicht geworden. Ein Highlight des Urlaubs war für mich das Tauchen. Ich habe mithilfe eines Tauchlehrers eine kleine Tour im Malawisee gemacht. Wunderschöne Fische und zwar in Massen.

Abschiedskuchen anschneiden beim Farewell

Und dann entspannen am Strand

So, für mich ist meine Zeit hier in Malawi ja sogut wie vorbei. Trotzdem möchte ich diesen Blog noch nicht beenden. Ich habe noch ein paar Post-Ideen, zu Themen über Malawi, die Kultur und ähnliches. Also wird es auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland weitere Texte geben, bis ich dann keinen Plan mehr hab was ich euch noch so erzählen könnte. 

Dann also bis bald und Tionana
Eure Hannah

Ganz besonderer Besuch

In den Osterferien waren meine Eltern für eine Woche hier und haben mich besucht. Zusammen haben wir Urlaub am Malawisee gemacht und einen Nationalpark besucht. Es war toll meine Eltern wieder zu sehen und ihnen hier alles zu zeigen, wie mein Leben hier ist.

Euch möchte ich besonders die Bilder aus dieser Zeit nicht vorenthalten, auch wenn ich im Moment nicht dazu komme alles zu erzählen, was wir erlebt haben.

Auf dem Holzmarkt /Touristenmarkt in Lilongwe Souveniers kaufen. Hier ist viel Verhandlungskunst gefragt.

Eine Mutter mit ihrem Kind. Wir konnten nie zu nahe ran, weil Nilpferde schnell aggressiv werden, wenn sie Kinder haben. Und mit einem Hippo will man sich nicht anlegen

Hippos im Shire-River im Liwonde Nationalpark. Wir haben viele gesehen, auch wenn es die einzigen Tiere abgesehen von Vögeln waren.

Kurz vor dem Abflug nochmal sonnenbaden auf der Wiese vor dem Flughafen.

Sonnenuntergang über dem Malawisee am Cape Maclear.

Spaziergang durch Madisi in Begleitung einiger Dorfkinder. Man braucht nicht unbedingt Chichewa um sich mit ihnen zu verständigen.

Zwischenbericht Nr.3

Nun steht auch schon mein letzter Zwischenbericht aus Malawi an. Gut eigentlich hab ich den schon vor genau einem Monat geschrieben, aber jetzt kann ich ihn euch auch endlich zeigen, damit ich mal wieder etwas auf den neuen Stand gebracht werdet, was hier so alles passiert ist. Also viel Spaß 🙂


Noch drei Monate. Ich stelle immer wieder fest wie schnell die Zeit hier doch vergeht.
Was mir immer mehr auffällt ist, wie alltäglich alles geworden ist. Die Arbeit in der Schule, das Zusammenleben mit Noëmie, alles fühlt sich so an, als wäre es schon viel länger als „nur“ neun Monate so. Daran merke ich, dass ich jetzt irgendwie so richtig angekommen bin. Es ist nicht mehr das Abenteuer ‚In Malawi leben‘, sondern es ist einfach mein Leben, mein Alltag.
Und zu dem Alltag gehören die Arbeit mit den Kindern in der Schule, die Wochenendausflüge nach Lilongwe, die wöchentlichen Chorproben und das Leben mit Noëmie.

In der Schule ist im zweiten Term nicht viel geschehen. Ich habe weiterhin Expressive Arts in der fünften Klasse unterrichtet. Dabei habe ich immer wieder gelernt, was in einer so großen Klassen Unterrichtsmethoden funktioniert und was nicht. Beispielsweise sind Gruppenarbeiten, die ich eigentlich sehr gerne mache um die Kinder mehr zum Nachdenken zu bringen, nicht wo geeignet, weil es schnell sehr laut werden kann. Aber wenn man die Klasse gut unter Kontrolle hat geht auch das.

Zwischendurch haben wir immer wieder Besuch von ehemaligen Freiwilligen bekommen, die in unterschiedlichen Jahren hier in Madisi waren. Es war sehr spannend mich mit ihnen auszutauschen und auch ein wenig aus ihren Erfahrungen zu lernen.

Und dann standen auch schon die zweiten Exams an. Wie auch die ersten sind sie gut ausgefallen, auch wenn ich diesmal die Zeit, die die Schüler brauchen würden, etwas falsch eingeschätzt habe. Das hatte zur Folge, dass die Schüler viel früher als die gegebenen 80 Minuten fertig waren. Die letzte Schulwoche vor den Osterferien bestand dann wieder aus Tests korrigieren und Noten berechnen. Außerdem haben wir Aktivitäten (Lieder, Tänze und Theaterstücke) vorbereitet für den Anfang des dritten Terms, da wir wieder Besuch bekommen sollten. Aber dazu später mehr. Die Kinder sind sehr kreativ und talentiert was die Aktivitäten betrifft. So macht es mir immer wieder Spaß bei den Proben zuzuschauen.

Dann kamen die Ferien und mit ihnen rutschte der Besuch meiner Eltern immer näher. Sie haben mich über die Ostertage hinweg hier in Malawi besucht. Ich war sehr aufgeregt, als wir uns Mittwochsmorgens auf den Weg zum Flughafen gemacht haben. Meine Eltern nach acht Monaten endlich wiedersehen.

Die ersten zwei Tage waren wir in Madisi, wo ich ihnen die Schule, das Krankenhaus und generell den Ort gezeigt habe. Besonders für meine Mutter war das spannend, weil sie Madisi schon seit vielen Jahren kennt, leider aber vorher noch nie hier war. Die Gründonnerstagmesse habe ich zusammen mit meiner Mutter besucht, was ein wunderbares Erlebnis war. Die Musik und die fröhliche Art, wie die Messe hier gefeiert wird hat ihr besonders gefallen. Es war schön meiner Mutter das auch mal in echt zu zeigen und nicht nur durch Fotos und Videos zu vermitteln. Wir hatten direkt die Idee, in unserer Gemeinde auch mal eine Messe auf malawische Art zu feiern. In unserer Gemeinde haben wir einen Verein, der Spenden unteranderem für das Projekt sammelt und es wäre eine schöne Möglichkeit den Leuten mehr als nur Bilder zu zeigen und sie ein klein wenig Malawi erleben zu lassen. Mal schauen ob das klappt.

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Meine Mutter mit Kindern auf unserem Rundgang durch Madisi

Die restliche Zeit sind wir im Süden Malawis herumgereist, in Liwonde und Cape Maclear.
In der Zeit mit meinen Eltern ist mir immer wieder aufgefallen, wie sehr ich mich an das Leben hier „angepasst“ habe. Doch es war schön ihnen mein Leben hier zeigen zu können; ob es nun Kabasa fahren ist oder wie man sich bei Stromausfall mithilfe eines Glases eine Lampe baut. Vieles wird hier einfach anders gehandhabt, wie zum Beispiel das Einkaufen auf dem Markt mit dem ganzen verhandeln oder wie zuvor schon erläutert die Messe und der Umgang mit Religion. Ein Highlight des Urlaubs war die Bootssafari im Liwonde Nationalpark. Wir haben viele Nilpferde gesehen, aber leider kaum andere Tiere. In Lilongwe wurden dann noch Souvenirs besorgt, bevor es am Dienstag wieder Abschied nehmen hieß.

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Nilpferde im Nationalpark

Aber kurz nachdem ich mich von meinen Eltern verabschiedet hatte, kam auch schon der nächste Besuch an, denn zur selben Zeit landeten drei indonesische Schwestern in Lilongwe. Eine von ihnen bleibt hier als fünftes Mitglied im Konvent. Für die Schwestern hatten wir vor den Ferien die Aktivitäten vorbereitet, welche nun nach den Ferien stolz präsentiert wurden.

Dann begann der dritte und somit letzte Term für dieses Schuljahr und leider auch für mich. Über die Ferien hinweg hatten sich einiges in der Lehreraufteilung geändert, sodass ich in diesem Term nicht mehr die fünfte, sondern die sechste Klasse unterrichte. Das heißt wieder ganz viele neue Namen lernen, was mir leider nicht so leichtfällt. Mal schauen, wie viele Namen ich am Ende kann. Außerdem ist, neben Expressive Arts, Life Skills als Fach dazu gekommen. In Life Skills geht es um Gesundheit, Lebensweisheiten und die persönliche Entwicklung der Schüler. In diesem Term spreche ich mit ihnen über HIV und AIDS und Themen, die damit zusammenhängen, wie zum Beispiel Menschenrechte, generell Geschlechtskrankheiten und Krankenpflege. Ich muss sagen, dass ich es sehr sinnvoll finde und mir so ein Fach auch in Deutschland gewünscht hätte. Zwar sind einige der Themen in Fächern wie Biologie oder Politik abgedeckt, aber besonders Themen wie Selbstbewusstsein, zwischenmenschliche Beziehungen und die persönliche Entwicklung werden oft übergangen.

In Expressive Arts habe ich den Term mit einer großen Unterrichtseinheit zu Theaterstücken begonnen, wobei es sehr schön war, die selbstgeschriebenen Stücke der Schüler aufgeführt zu sehen. Auch hier kamen die Life Skills Themen wieder durch, denn die Vorgabe für den Inhalt waren Cross-cutting issues (überschneidende Themen) wie zum Beispiel AIDS, Armut oder Drogenmissbrauch. Leider wissen die Kinder zu diesen Themen viele Geschichten zu erzählen. Mir fiel es nicht leicht immer wieder über diese Themen mit den Schülern zu sprechen, weil ich weiß wie sehr einige davon betroffen sind, auch wenn ich nicht weiß wer. Aber die Theaterstücke haben das ganze etwas aufgelockert und uns alle oft zum Lachen gebracht.

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Aufführung der Aktivitäten

Privat bin ich im Moment oft mit Bewerbungen und dergleichen beschäftigt, was die verbleibende Zeit nur noch kürzer erscheinen lässt. Es ist komisch das alles von hier aus, aus großer Entfernung, zu organisieren. Ich fiebere jetzt schon ein bisschen dem Wiedersehen mit meinen Freunden und meiner Familie entgegen. Gleichzeitig werden Pläne gemacht, was wir noch alles machen wollen bevor wir fliegen. Und das ist noch so einiges. Ich freue mich jetzt schon sehr auf die letzten drei Monate; in der Schule, mit Noëmie und den anderen Freiwilligen.

Bis zum Abflug ist es ja dann doch noch ein bisschen und dann sehen wir uns wieder. Bis dahin, Tionana. Eure Hannah

As time goes by…

Grade sitze ich im Lehrerzimmer und trage einige Termine in meinen Kalender ein und denke zum bestimmt fünften Mal heute „Es ist schon Juni!“. Es ist Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Und auch das sage ich eindeutig zu oft. In etwas mehr zwei Monaten bin ich wieder zu Hause in Deutschland. Ich habe einen kleinen Kalender auf dem ich die Tage wegstreiche.  Vor einigen Wochen habe ich Noemie das Blatt mit den Worten „Willst du mal was gruseliges sehen“ hingehalten. Es ist manchmal schon echt gruselig wie schnell die Zeit vergeht.

Mein Kalender

Ich dachte mir ich schreibe mal was sich in der letzten Zeit noch so verändert hat. Hab mich ja schon länger nicht mehr dazu gemeldet… 

Was auf jeden Fall auffällt ist die Temperatur. Es wird „Winter“ in Malawi. Es ist zwar noch angenehm, vor allem mittags, aber meine Fliesjacke brauche ich morgens auf dem Weg zur Schule dann doch schon. Und von vielen höre ich dass es noch kälter wird. Nicht selten kommt von den Lehrern dann mal ein Kommentar, ob ich das jetzige Wetter lieber hätte. Wirklich verneinen kann ich das nicht, mir sind die jetzigen Temperaturen lieber als die 35 Grad vor ein paar Monaten.
Außerdem ist die Regenzeit vorbei und schon seit einigen Wochen hat es nicht mehr geregnet. Das merkt man auch daran, dass mittlerweile der Strom und das Wasser öfter ausbleiben.

Vor zwei Wochen haben wir gleich drei Geburtstage gefeiert. In Lilongwe haben wir in Friederikes Geburtstag reingefeiert und Verenas und Antonias Geburtstag nachgefeiert. Dafür habe ich endlich auch nochmal einen Kuchen gebacken. Nachdem wir nämlich dachten, dass unser Ofen kaputt war, ist das für Noemies Geburtstag leider ausgefallen. Dank ehemaliger Freiwilliger, die uns vor den Osterferien besucht haben, fanden wir dann heraus, dass wir einfach nur den Wecker am Herd immer mit anschalten müssen. Jetzt haben wir wieder einen funktionierenden Ofen und das nutzen wir mit Pizza und Auflauf auch oft genug aus 🙂

Happy Birthday

In der Schule gab es für mich auch einige Veränderungen. Durch Änderungen bei den Lehrern habe ich anstatt der fünften Klasse, die ich bisher unterrichtet habe, die sechste Klasse übernommen. Dadurch ist zu Expressive Arts noch Life Skills hinzugekommen. Life Skills beinhaltet hauptsächlich Gesundheit und die  persönliche Entwicklung der Kinder. Jetzt darf ich wieder viele neue Namen lernen und die Kinder kennenlernen.

Die Abschlussklasse

Für die achten Klassen ist die Schule mittlerweile aus. Vor ein paar Wochen hatten sie ihre Abschlussprüfungen und warten nun auf ihre Ergebnisse. Für die Prüfungen kamen extra Aufseher von außerhalb und alle anderen Klassen (und Lehrer) hatten fast eine ganze Woche frei.
Weggefahren sind Noemie und ich in der Zeit aber nicht, weil Noemie arbeiten musste. Es hätte sich gelohnt.

So mehr fällt mir im Moment nicht mehr ein, aber ich habe noch ein paar Berichte in der Mache, die sie nächsten Wochen kommen. (Hoffentlich…)
Bis dahin alles gute und Tionana 🙂

Zwischenseminar

Es ist zwar schon länger her, aber ich dachte ich gebe euch noch ein paar Eindrücke von unserem Zwischenseminar im Januar.

            …oOo…

Eine Woche lang haben wir, 16 Freiwillige aus Malawi, Mozambik, Madagaskar und Zimbabwe, in Carmel unsere bisherige Zeit und unsere Erlebnisse Revue passieren lassen und einen Blick die Zukunft gewagt.

Sonntags bin ich mit dem Fahrer der Schwestern zunächst nach Lilongwe gefahren,um unsere beiden Teamerinnen Julia und Franziska vom Flughafen abzuholen. Es war schön beide wieder zu sehen, denn sie waren auch schon bei den Vorbereitungsseminaren dabei. Von da aus ging es nach Carmel, einer kleinen Klosteranlage in der Nähe von Kasungu. Neben den drei Fathers, die dort leben ist Carmel ein Ort für Exerzizien und andere Gruppen. 

Unser „Seminarraum“, ein wunderschönes Rondell im Garten.

Montags kamen dann in kleinen Gruppen die anderen Freiwilligen über den Tag verteilt an. Jedesmal wenn eine neue Gruppe ankam begann das große kennenlernen aufs Neue. Die Freiwilligen aus Malawi kannten wir schon vom Botschafterfest im Oktober, die anderen waren mir unbekannt. Abends wurden das Kennenlernen mit dem Vorstellen der einzelnen Projekte fortgesetzt.

Die ganze Truppe, mit den Gästen aus der deutschen Botschaft

In den folgenden Tagen wir über viele Themen gesprochen, unter anderem:

  • Sinn und Unsinn von Freiwilligendienst 
  • Kulturelle Unterschiede und als Weißer in Malawi sein
  • Unsere Aufgaben in den Projekten und Alltagsgestaltung
  • Was wir in der verbleibenden Zeit noch machen wollen
  • Probleme und Gefahren
  • Glaube

Abends gab es immer das offene Team, in dem wir den nächsten Tag mitgestalten konnten und so unsere eigenen Ideen mit einbringen konnten. Wer darauf keine Lust hatte hat sich in „Gemeinschaftsraum“ getroffen und Logikspiele und ganz besonders viel Werwolf gespielt, Musik gehört und geredet. Es wurde immer recht spät. Trotzdem ging es morgens noch vor dem Frühstück zum Morgenimpuls, den jedes Mal eine andere Gruppe vorbereitete.

Rückenstärken (Positive Dinge über die jeweilige Person auf den Rücken schreiben)

Neben den Einheiten hatten wir auch Besuch einer Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, die mit uns über Freiwilligen- und Entwicklunsarbeit in Malawi geredet hat. Freitags haben wir außerdem das Schneiderprojekt „Taste of Malawi“ besucht. Das Projekt wurde von ehemaligen Freiwilligen gegründet und gibt Frauen aus der Umgebung eine Ausbildung zur Schneiderin.

Eine Minibus Fahrt ist lustig, eine Minibus Fahrt ist schön… 

Sonntags morgens haben wir eine Messe gehalten, ein Mix zwischen englisch und deutsch, die wir selbst vorbereitet haben.Am Montag stand dann auch schon wieder der Abschied an. Wir wollten alle noch nicht so wirklich gehen und so viel der Abschied immer etwas länger aus.

Der Blick in die Ferne vom „Berg“ Carmel

Das Seminar war echt schön und sehr interessant. Es hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregelt und es haben sich viele neue Freundschaften gebildet.

Danke für die Tolle Zeit

Eure Hannah

In Malawi leben heißt…

Irgendwann habe ich mal in einem Minibus gesessen und mir überlegt, was für mich typisch malawisch ist oder was für mich Leben in Malawi bedeutet. Das hier sind ein paar Anketdoten aus meinem Leben hier, es heißt nicht, dass das immer und überall so ist. Eher was für Eindrücke ich sammel und welche Unterschiede es zu meinem Leben in Deutschland gibt.

Außerdem sammel ich im Moment Fragen für ein FAQ. Wenn ihr also irgendwas von mir wissen wollt, sei es über Malawi, mein Leben hier oder sonst irgendwas, schreibt es einfach in die Kommentare oder schreibt mir eine Nachricht.

So jetzt aber viel Spaß mit dieser kleinen Liste 😀


In Malawi leben heißt…

…sich freuen, wenn das Geräusch des Kühlschranks zu hören ist.

Stromausfälle sind hier Alltag. Man gewöhnt sich zwar schnell dran, aber es ist doch immer nervig, besonders, wenn man kochen will und in dem Moment der Strom weggeht. Und wenn er wieder da ist, dann merkt man das als erstes am Brummen des Kühlschranks und dann am Freudenruf der Mitbewohnerin.

Wir haben etwa alle ein bis zwei Tage Stromausfall, mal nur zwei Stunden oder auch einen ganzen Tag. In Malawi wird der Strom durch ein Wasserkraftwerk am Shirefluss erzeugt, jedoch reicht das nicht aus, um das ganze Land ausreichend zu versorgen. Es gibt eine Stromgesellschaft in Malawi, Escom, die den Strom „verteilt“.

…die schwere Entscheidung treffen zu müssen, ob man das Feuer noch anmacht oder faul genug ist Toast zu essen. 😉

In letzter Zeit hat dann anscheinend bei uns die Faulheit gesiegt, denn das Feuer machen wir nur noch sehr selten an. Direkt im Einführungsseminar haben wir gelernt mit Feuer zu kochen, denn wenn kein Strom da ist muss es halt so gehen. Es dauert halt wesentlich länger mit dem Feuer zu kochen, worauf wir dann doch nicht immer Lust haben.

…Soya-Pieces anstatt Fleisch essen.

Was in Deutschland oft diskutiert wird ist hier für uns Alltag; nur ein oder zweimal Fleisch in der Woche. Wir kriegen dank der Schwestern immer mal wieder Fleisch, aber würden wir nur selber kochen wäre es weniger. Und so haben wir uns an Soya-Pieces „gewöhnt“. Naja eigentlich mögen wir die sogar recht gerne. In Deutschland habe ich nie wirklich Sojaprodukte gegessen, daher habe ich da keinen Vergleich. Fleisch essen wir eher selten, weil das Fleisch vom Markt nicht wirklich frisch ist und wir da auf Nummer sichergehen wollen. Auch das Lagern von Fleisch ist etwas problematisch, aufgrund der Stromausfälle.

…Nsima essen.

Quasi das Nationalgericht. Fester Maisbrei, der mit Fleisch, Bohnen oder gekochtem Gemüse gegessen wird. Die Malawier sagen immer, wenn es keinen Nsima gab haben sie nicht gegessen. Mir schmeckt es nicht so besonders.

…mit Eimer duschen.

Genauso wie beim Strom gibt es auch Zeiten wo das Wasser knapp wird. Besonders in den Monaten vor der Regenzeit, wo seit langer Zeit kein Wasser mehr vom Himmel kam. Bei uns im Haus haben wir eine große und eine kleine Regentonne, die wir mit Wasser befüllen, sobald welches zur Verfügung steht.

Und wenn dann mal kein Wasser da ist wird mit Eimer und Kanne geduscht. Ist auch Wassersparender als lange unter dem fließenden Wasser zu stehen.

…auf Regen warten…

Als ich diesen Punkt letztes Jahr aufgeschrieben habe waren wir noch mitten in der Trockenzeit. Es hatte seit mehreren Monaten nicht mehr geregnet. In Deutschland nicht vorstellbar. Mir ist das so richtig erst in Nachhinein aufgefallen. Gegen November wurde das Wasser immer knapper und so haben alle sehnlichst auf den Regen gewartet.

…und dann warten das der Schauer vorbei ist, damit man wieder raus kann.

Dann kam der Regen und es schien nicht aufhören zu wollen. Selten habe ich hier sowas wie Nieselregen erlebt und das auch erst in den letzten paar Wochen. Wenn es hier regnet dann so richtig. Mit Blitz und Donner, wie aus Eimern, und Hunde und Katzen. Da geht man nicht mehr raus.

…Hitze.

Es ist heiß, fast immer. Gut auch kein Wunder, wenn man so nah am Äquator lebt, aber trotzdem. Mir sind die 15-20 Grad in Deutschland auf Dauer dann doch lieber.

..roter Sand überall.

Dazu gibt es nicht viel zu erzählen, nur, dass der Boden hier sehr rot ist und sich überall im Haus verteilt und weiße Kleidung nicht lange strahlend weiß bleibt. Hab ich schon erwähnt, dass ich putzen hasse 🙂

…lernen, dass die Definition von voll hier eine andere ist.

Fahrten mit dem Minibus sind ein Abenteuer für sich. Ein großes Auto mit vier Sitzreihen. Was meint ihr wie viele Menschen in so ein Auto passen? 12. 16. Wenn man Glück hat ja. Ich bin aber auch schon in Bussen mit über 20 Personen drin gefahren.

Je mehr Leute mitfahren, desto mehr verdienen die Leute natürlich auch. Zwar gibt es Polizeikontrollen, die aber nicht immer konsequent durchgeführt werden.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Leute es schaffen, doch noch jemanden im Bus mitzunehmen. Oder um es mit einem Satz aus einem Reiseführer zu sagen: You don´t need bungeejumping to experience adventure, just drive with a local bus. (Du brauchst kein Bungeejumping zu machen, um ein Abendteuer zu erleben. Fahr einfach nur mit einem lokalen Bus.)

…auf der „falschen“ Seite fahren.

Hier ist Linksverkehr. Ich bin froh nicht selbst fahren zu müssen. Ich bin immer mal wieder verwirrt, wenn der Minibus beim rechtsabbiegen fast an der Ausfahrt vorbeifährt.

…Händler abwimmeln, die einem in den Minibus hinein etwas verkaufen wollen, ob du es brauchst oder nicht.

Sobald ein Minibus hält kommen die vielen Händler angelaufen und verkaufen dir alles von Essen und Trinken über Speicherkarten bis hin zu Parfüm (in Lilongwe). Ein guter Weg um einen Snack für die Fahrt zu besorgen, aber manchmal auch nervig, wenn der zehnte Verkäufer dir eine Powerbank verkaufen will. Da muss man dann einfach freundlich nein sagen und nicht darauf reagieren.

…mit dem Kabasa fahren.

Etwas, dass ich in Deutschland schon ein bisschen vermissen werde. Kabasas sind Fahrrad-Taxis. Man sitzt auf dem (hoffentlich) gepolsterten Gepäckträger und lässt sich fahren. Schnell und entspannt. Zumindest für den „Fahrgast“. Ich will nicht mit dem Fahrer die Rollen tauschen. Ich nutze es oft, wenn ich zum Markt gehe, weil ich so wesentlich schneller bin.

…,dass die Uhren hier anders laufen.

Verlasst euch niemals darauf, dass die nur allzu bekannte deutsche Pünktlichkeit auch hier in Malawi funktioniert. Wie oft bin ich schon zu spät zum Chor gekommen und war trotzdem noch eine Stunde zu früh war. Die Malawier nehmen es nicht so genau mit der Zeit und im Straßenverkehr gibt es keine genauen Abfahrtszeiten. Hier geht alles ‚pangono pangono‘ mit ganz viel Gelassenheit.

Passend dazu auch die Geschwindigkeit mit der man hier oft geht. Schön langsam und gemütlich. Ein Malawisches Sprichwort sagt: „Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit gehen willst, geh mit Anderen.

…überall Ziegen und Hühnern zu begegnen.

Also wirklich überall. Selbst im Schulgelände sieht man hin und wieder ein verirrtes Huhn. Naja erst hört man Geraschel und dann einen Kopf aus den Blumen schauen. Die Tiere laufen hier frei in der Gegend rum, nur manchmal sind die Ziegen angebunden. Ich weiß bis heute nicht, wie die Leute ihre Tiere wiederfinden, aber es scheint ja zu funktionieren.

…lange Messen mit schönem Chorgesang erleben.

Mittlerweile kommen mir die Messen gar nicht mehr so lang vor und ich glaube hier in unserer Gemeinde sind die Messen sogar vergleichsweise kurz. Aber die Malawier schaffen es auch eine fünfstündige Messe zu feiern. Ein kleiner Grund für die langen Messen sind die Chöre. In jeder Messe singt ein Chor und es werden viele Lieder gesungen.

…Röcke tragen.

Eine Umstellung, die mir erstaunlich leichtgefallen ist. In Deutschland hatte ich mit etwas Glück einen Rock im Schrank und nun habe ich seit acht Monaten keine Jeans mehr getragen. Auch wenn immer mehr Frauen auch Hosen tragen, ist der Rock das traditionelle Kleidungsstück der Frau und es wird auch irgendwie erwartet, dass man es trägt. Ich kanns mir hier auch nicht mehr anders vorstellen. Eher anders herum. Wenn wir Gäste (Frauen) haben, die mit kurzen Hosen rumlaufen, kommt mir das irgendwie komisch und falsch vor. Einfach weil ich schon so sehr an Röcke gewöhnt bin.

…auffallen.

Die Hautfarbe macht es. „Azungu bo?“ hören wir hier oft von Kindern. Azungu bedeutet so viel wie Weißer. Es ist unterschiedlich, wie diese Ansprache von Weißen aufgenommen wird. Für viele ist es eher eine Beleidigung, besonders wenn Erwachsene es benutzen. Bei Kindern geht das noch.

Auch passiert es hin und wieder, dass man von den Leuten interessiert angeschaut und beobachtet wird. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt und ignoriere es einfach.

…überrascht sein einen Weißen zu sehen.

Es kommt sehr selten vor, hier andere hellhäutige Menschen zu sehen. Meistens in Lilongwe, aber auch hin und wieder hier bei uns am Krankenhaus. Ich versuche dann immer zu erraten, aus welchem Land sie kommen. Mit England liegt man hier aber meistens richtig. Malawi war eine englische Kolonie und so kommen noch heute viele Engländer nach hier. Aber ich habe auch schon genügend Deutsche hier getroffen. Ein toller Ort, um solche Leute zu treffen sind die Backpacker Lodges überall in Malawi. Es ist immer wieder interessant so viele Leute aus so vielen unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und deren Geschichten und Erlebnisse zu hören.

Besuche und Unterrichten

Vorletzte Woche hatten wir mal wieder viel Besuch. Zum einen war eine Gruppe aus Visbek hier, die sie Schule und Waisenkinder an anderen Schulen unterstützt. Eine echt tolle Truppe. Mit ihnen und den Lehrern sind wir zu einem Dorf gefahren, wo Brunnen gebaut wurden, um die Familien dort mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Auch der Brunnenbau wurde durch den Verein unterstützt, denn für die Brunnen werden blaue Plastiktonnen zur Stabilisierung genutzt. Diese Tonnen kommen unter anderem aus Visbek.

Ein Bus voller Visbeker Azungus und Lehrer

Der andere Besuch war eine ehemalige Freiwillige, Christina, die 2010/11 im Krankenhaus gearbeitet hat, mit ihrem Freund. Die beiden waren die ganze Woche hier und wir haben abends hin und wieder zusammengesessen. Es ist schön Berichte von Ehemaligen zu hören und zu merken, dass es ihnen nicht anders ergangen ist.

Mittwoch haben Christina und Johannes mich dann in meinem Unterricht besucht. Daher kann ich euch auch endlich Fotos von meinem Unterricht zeigen. Es war wieder Revision-Woche und alles was ich mit den Kindern diesen Term gemacht habe wird wiederholt. Mittwoch  waren Musikinstrumente dran.

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Meine Klasse (eine der beiden)

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Unterrichtsthema: Musikinstrumente

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Alles wird aufgeschrieben für den Endterm-Test in der nächsten Woche

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Hefte austeilen dauert bei 80 Schülern doch mal etwas länger, aber so lerne ich langsam die Namen der Schüler

Die Revisionwoche war in Vorbereitung für die Endterm-Exams, die bis letzten Freitag gingen. In Expressive Arts haben meine Schüler wieder ganz gut abgeschnitten, auch wenn der Test anscheinend zu einfach war. Die meisten Schüler waren nämlich schon nach einem Drittel der Zeit fertig. Kann auch daran liegen, dass ich Zeit zum abschreiben der Fragen von der Tafel mit eingerechnet habe, wie im ersten Term. Dieses mal hatten wir allerdings gedruckte Tests und die Schüler waren schneller fertig.

Meine Aufgaben in der Woche waren daher hauptsächlich Tests korrigieren (geht dankt Multiple-Choice schnell) und Durchschnittsnoten berechnen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Fächer ich schon berechnet habe. Eine weitere Aufgabe habe ich darin gefunden alte, zerrissene Schulbücher zu flicken und neu zu binden. Vor einigen Tagen kam ein Lehrer mit einem ganzen Stapel kaputter Bücher und vieler einzelner Seiten an, die sich in seinem Klassenraum angesammelt hatten. Jetzt klebe ich die sortierten Seiten alle einzelnd am „Rücken“ wieder zusammen. Mir macht diese filigrane Arbeit Spaß, auch wenn einige Lehrer meinten, dass es sich nicht lohnen würde. Ich finde es aber immer noch besser, als die Blätter einfach wegzuschmeißen oder, wie ein Kollege vorgeschlagen hat, einfach alles zu lochen und zusammen zu binden. Da würden die Bücher nicht lange durchhalten.

Mit Kleber und Klammern werden wie Bücher wieder (fast) wie neu

Nächste Woche ist dann wieder Closing und die Ferien stehen vor der Tür. Darauf freue ich mich schon besonders, denn über Ostern kommen meine Eltern mich besuchen. Das erste Mal nach fast acht Monaten sehe ich sie wieder. Bin schon gespannt.
Aber jetzt verabschiede ich mich erstmal und sage Tionana und bis bald 🙂 Hannah

Zwischenbericht Nr.2

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen und über meinen Alltag noch weniger. Deshalb gibts jetzt mit meinem zweiten Zwischenbericht mal einen Überblick, was in den letzten paar Monaten so passiert ist.  Auf einiges werde ich demnächst (hoffentlich) noch genauer eingehen. Viel Spaß also beim lesen 🙂


Jetzt ist die Hälfte meines Jahres hier um. Die Zeit vergeht so schnell. Mittlerweile liegen die Weihnachtsferien hinter mir und der zweite Term hat angefangen. Aber erst mal von vorne.

Der Dezember war zuerst geprägt durch die Exams (Prüfungen) am Ende des ersten Terms. Eine Woche Wiederholung des Stoffes, eine Woche Exams und eine Woche „Closing“, also die Woche vor den Ferien in der sowieso kein Unterricht mehr stattfindet. Die Prüfungen in meinen Fächern sind erstaunlich gut ausgefallen und etwa dreiviertel haben diesen Teil bestanden. Nach den anfangs doch ziemlich schlechten Tests hatte ich mit schlimmerem gerechnet. Und nach den Exams habe ich die Lehrer beim korrigieren und Noten eintragen unterstützt. Die „Closing“-Woche war sehr interessant, weil ich versucht habe den Kindern Weihnachtslieder beizubringen. Es hat sogar ganz gut geklappt. Auch jetzt noch singen sie manchmal stolz diese Lieder, obwohl schon lange kein Weihnachten mehr ist.

Und nachdem der erste Term mit der Vergabe der Noten am 16. zu Ende war und die Ferien begannen, ging es für Noemie und mich in den Urlaub. Zusammen mit Pia, Antonia, Verena und Friederike haben wir eine Woche im Norden von Malawi verbracht. Wir haben zuerst Nkatabay besucht, wo wir das Wasser des Malawisees genossen haben, und sind dann weiter nach Livingstonia, bzw. zur Mushroomfarm, gefahren. Dort haben wir uns Wasserfälle und die Livingstonia-Mission angeschaut. Der Urlaub war wunderschön, aber dennoch anstrengend, weil ich stundenlange Wanderungen nicht mehr gewohnt bin.

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Blick auf den Malawisee

Am 23. bin ich dann wieder in Madisi angekommen, nach einer langen Fahrt mit dem Nachtbus und weiteren Minibussen. Noemie war nicht mit zurückgekommen, sondern in Lilongwe geblieben. Dort hat sie die restlichen Weihnachtsferien mit ihren Eltern verbracht. In Madisi hatte mich der Alltag direkt wieder und neben gefühlt tagelangem Stromausfall stand Weihnachten an und somit versuchte ich wenigstens etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Vor dem Urlaub war ich definitiv in Weihnachtsstimmung, mit Plätzchen backen und Weihnachtsbaum aufstellen, aber an Weihnachten selbst war die meiste Stimmung leider verschwunden.

An Heiligabend habe ich meine Zeit mit Lebkuchenhaus basteln und Pakete aus Deutschland auspacken verbracht, bis ich am Abend ich die Weihnachtsmesse gegangen bin. Ich habe zu Hause die Weihnachtsmesse immer sehr schön gefunden, wegen der besonderen Atmosphäre in der Kirche. Leider fühlte sich die Messe hier am wie jede andere Messe auch und dank des Stromausfalls wurde alles vom stetigen Brummen des Generators untermalt. Aber der Chor wunderbar gesungen und es trotzdem sehr schön. Nach der Messe habe ich mit den Schwestern zusammen ein wenig gefeiert. Aber weil der Strom immer noch nicht da war, ging der Abend recht schnell zu Ende. Am nächsten Tag war die große Weihnachtsmesse zu der wesentlich mehr Leute kamen, als am Abend zuvor, denn in Malawi wird Weihnachten eigentlich am 25. gefeiert.

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Unser Weihnachtsbaum

Nach den Feiertagen habe ich meine Ferien mit viel Ruhe und Freizeit genossen. In dieser Zeit war allerdings auch das Heimweh ziemlich groß, Weihnachten und Silvester ohne Familie zu feiern war schon echt komisch, besonders, weil wir beides immer mit viel Familie gefeiert haben. Auch die fehlenden Rituale, die irgendwie jedes Jahr gleich sind und einfach zu den Festtagen dazugehören, haben gefehlt. Es waren einfach ganz andere Festtage. Silvester sollte eigentlich eine Feier unter den Lehrern stattfinden, aber die fiel leider aus. So habe ich am 31., mal wieder ohne Strom, zuhause gesessen, „Dinner for one“ geguckt und Mandasi gegessen. Ich habe versucht ein wenig die Traditionen, die ich aus Deutschland kenne, umzusetzen und damit dem Heimweh ein wenig entgegengewirkt. Den Jahreswechsel hätte ich um ein Haar verpasst, weil ich noch nach einem Countdown gesucht habe. Nach ein paar Wunderkerzen zum neuen Jahr bin ich dann aber auch ins Bett gegangen, denn der nächste Morgen begann früh mit der Neujahrsmesse.

Am Ende der Ferien kam Noemie dann mit ihren Eltern das Projekt besuchen und einige Tage später fing für mich die Schule wieder an.

Viel verändert hat sich im Vergleich zum letzten Term nicht viel. Ich habe Agriculture wieder an einen anderen Lehrer abgegeben, sodass meine Stundenanzahl wieder etwas entspannter ist. Leider kann ich keine AG starten, worauf ich mich gefreut hatte. Die Arbeit in der Schule ist wunderbar, aber bei der Größe der Klassen fehlt mir oft der Umgang mit den einzelnen Kindern. Bei 80 Kindern ist es, zumindest für mich, so gut wie unmöglich individuell auf Kinder einzugehen und mit ihnen zu arbeiten. Auch kreatives und praktisches Arbeiten setzt meine Motivation oft auf die Probe. Nicht vorhandene Materialien und laute, unkonzentrierte Kinder machen es nicht immer einfach. Trotzdem freue ich mich immer auf den kreativen Teil der Lerneinheiten, denn für die Kinder ist es in gewisser Hinsicht eine kleine Pause vom vielen Lernen.

Auch meine Abende füllen sich immer mehr. Neben Chichewa-Unterricht, der bei mir leider nur wenig Fortschritt zeigt, habe ich jetzt auch angefangen in einem der vielen Chöre in Madisi mitzusingen. Immer dienstags geht es nach der Schule zur Probe, bei der gesungen und getanzt wird. Da alle Lieder auf Chichewa sind singe ich mehr nach Gehör als nach Text, zumal oft auch gar kein Text da ist, den ich lesen könnte. So muss ich nun Lippen lesen lernen und schnell die Texte auswendig können. Aber es macht richtig viel Spaß und es hilft tatsächlich etwas beim Chichewa lernen. Besonders witzig wird es, wenn wir bei den Proben Tänze einüben. Die Malawier können sich einfach ganz anders bewegen, insbesondere die Hüfte. Da komme ich mir zwischendurch doch mal etwas versteift und unbeholfen vor, was es aber nur lustiger macht.

Ich hoffe, dass ich durch den Chor ein paar neue Bekanntschaften mache, denn momentan kenne ich außer meinen Lehrerkollegen nur wenige Leute. Daran bin ich zwar auch selbst schuld, weil ich nicht so viel auf die Leute zugehe, aber auch die noch fehlenden Chichewa-Kenntnisse stehen etwas im Weg. Mit den anderen Lehrern verstehe ich mich aber immer besser.

Seit Dezember hat hier auch die Regenzeit richtig angefangen. Das heißt für uns fast täglich Regenschauer und Gewitter, denn wenn es hier regnet dann richtig. Nieselregen wie in Deutschland gibt es hier so gut wie nie. Da wird Pfützen springen zur Pflicht, weil überall kleine Bäche auf den Straßen entstehen. Mittlerweile ist Malawi für mich nicht mehr rot, sondern grün. Überall sprießt und blüht es uns und der Seitenweg zu unserem Haus gleicht mehr einem Gebüsch als einem Trampelpfad. Mit dem Regen haben wir auch immer regelmäßiger und länger Strom, da der meiste Strom durch Wasserkraft erzeugt wird.

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Auch in den Bergen ist es grün

Mitte Januar war dann unser Zwischenseminar, bei dem wir uns in der Nähe von Kasungu in einem Prayer House (Gebetshaus) getroffen haben. Man muss sich das ein wenig ein kleines Kloster vorstellen, wo vor allem Ordensleute ihre Exerzitien abhalten. Aber auch andere Gruppen können dort unterkommen. Es war schön sich mit den anderen austauschen zu können, besonders, weil so viele andere Freiwillige aus anderen Projekten da waren. Insgesamt waren wir 16 Freiwillige aus Malawi, Mosambik, Madagaskar und Zimbabwe. Es fühlte sich fast so an wie auf den Seminaren in Salzkotten. Wir haben über Methoden gesprochen, die wir bei unserer Arbeit einsetzten können, haben uns mit dem beschäftigt, was die nächsten Monate auf uns zu kommt und auch Probleme konnten in aller Ruhe besprochen werden. Viele der Einheiten haben mich zum Nachdenken gebracht und ich habe viele neue Ideen bekommen, was ich in den kommenden sechs Monaten noch so machen kann. Und wir haben jeden Abend das Spiel `Werwolf´ gespielt, egal wie spät es war, eine Runde wurde immer gespielt. Die Gruppe war echt toll und ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Im Moment gelten (teilweise durch das Seminar angeregt) auch viele Gedanken meiner Zukunft nach dem Jahr hier. So langsam fange ich an mich nach Praktikumsmöglichkeiten zu schauen und gucke, was ich noch vorbereiten muss. Ich mache zwar noch nicht viel Konkretes, aber immer mal wieder stöbere ich im Internet nach neuen Infos. Es beruhigt ein wenig das Heimweh, wenn ich nicht mit meinen Eltern oder Freunden kommuniziere. Es ist immer noch komisch, wenn ich nach meinem Berufswunsch gefragt werde, denn Maskenbild (was es bisher am ehesten wird) ist nicht grade ein Beruf, den man von einer Freiwilligen erwartet, die ein Jahr als Lehrerin arbeitet. Ich habe für mich entschieden, dass es nichts für mich ist, mein Leben lang vor einer Klasse zu stehen, auch wenn es mir generell gefällt Kindern etwas beizubringen. Man könnte das als ein Ergebnis dieses Jahres sehen.


Und damit bis zum nächsten Mal. Tionana und Mulungu akudzaniseni. Eure Hannah